Gedanken zu ICH BIN, NICHT FÜRCHTET EUCH

In Matthäus 14, Markus 6 und Johannes 6 wird uns davon berichtet, wie die Jünger noch in der vierten Nachtwache – also zwischen 3 und 6 Uhr morgens – gegen Wind und Wellen ankämpften, – sie hatten von JESUS selbst den Auftrag erhalten, schon mal vorab mit dem Schiff loszufahren, ihm voraus, an das jenseitige Ufer. Und nach ca. 5 Kilometern Rudern gegen Wellen und Wind und das in stockfinsterer Nacht – das kostete Kraft!

Und dann SEHEN sie ihn sogar – ganz nah bei ihnen – in ihrer Not, – aber „unerwartetermaßen“, – so hatten sie ihn noch nie erlebt oder gesehen. Aber statt sich zu freuen, schlußfolgern sie, er sei ein „Gespenst“ und diese erwachsenen Männer SCHREIEN VOR ANGST.

Kennst Du Dich wieder in so einer Situation? Hast du auch gearbeitet, gerackert, Dich abgemüht, und „Wind und Wellen“ sind Dir entgegen, Dir sinkt der Mut, Du kriegst Angst, die Kräfte lassen nach, und schließlich siehst Du „Gespenster“? Dann lies weiter, – am Ende wirst Du Dich SEHR freuen.

Er kommt ihnen im Boot sogar SO nah, daß er nicht „rufen oder schreien“ muß, sondern Er „spricht“ zu ihnen – trotz Wind, Sturm, Böen, Seegang.

Und WAS ist Seine Botschaft an sie in dieser existentiellen Notlage, – wo diese gestandenen „Seebären“ vor Panik schreien? Ist es eine beruhigende, „stillende“ Botschaft im Sinne von: „Ach Männer, ich bin’s doch nur, – nun mal keine Panik – alles wird gut!“? Oder sagt Er ihnen in dieser existentiellen Notlage etwas existentiell Wichtiges, was sie nie wieder vergessen werden?
Es sind (in Johannes) nur vier Worte, alle genau gleich auch in Matthäus und Markus:

ἐγώ εἰμι μὴ φοβεῖσθε

Seine Rede besteht aus 2 Teilen. Zuerst sagt JESUS: „ICH, ich bin“. Das ist der Name Gottes, mit dem sich Gott schon in 2. Mose 3 offenbarte. Es steht also MEHR als lediglich „ich bin“ – das „ich“ ist besonders hervorgehoben, mit einem extra-Wort. Auf französisch würde man sagen: „moi, je suis“, auf englisch wird oft übersetzt: „it is I“, auf lateinisch: „ego sum“.

An vielen anderen Stellen (35 in den Evangelien, im gesamten Neuen Testament 45) steht diese Wortfolge – Beispiele seien:

  • Ich bin das Licht der Welt
  • Ich bin der Weg
  • Ich bin die Wahrheit
  • Ich bin das Leben
  • Ich bin das Brot des Lebens

(Im Appendix findet sich eine Auflistung aller Stellen im NT: Matth 14, 27; 22,32; 28,20; Markus 6,50; 14,26; Lukas 22,27; 22,70; 24,39; Johannes 4,26; 6,20; 6,35; 6,41; 6,48; 6,51; 8,12.18.23.23.224.28.58; 10,7.9.11.14;11,25;13,19;14,6.6.6.; 15,1.5; 18,5.6.8; Apg 9,50; 18,10; 22,8; 26,15; Offbg 1,8.17.17; 2,23; 22,16.16.)

Eine Schicht tiefer …

Jetzt gehen wir noch „eine Schicht tiefer hinein“ in den Urtext; die Verbform, die hier benutzt wird (Präsens Aktiv 1. Singular), hat einen sogenannten „durativen Aspekt“, das bedeutet, es wird betont, daß diese Aussage LINEAR ist, – also nicht wie eine Welle (Ups and Downs, mal geht’s gut, mal geht’s mies) oder mit Lücken (wie beim Stromausfall), sondern das ANDAUERN wird betont („Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer… da“), dann wird auch betont, daß es nicht abgeschlossen ist („jetzt habe ich aber genug für Dich getan, MEHR ist jetzt nicht mehr drin für Dich!“).

Diese Zeitform betont also: „unveränderlich, konstant, linear, andauernd, der Verlauf wird betont, es ist nichts Abgeschlossenes, sondern sich entwickelnd“ (Der äthiopische Marathon-Läufer wird während mehrerer Stunden immer wieder von der Kamera erfaßt und beobachtet, – er läuft und läuft und läuft…)

Als Beispiele der Zusammenhänge sei erinnert an:

  • „Gott, der war und ist und der da kommt….“ Offenbarung 1,8
  • „Bevor Abraham war, bin ich“ Johannes 8, 58

Die beiden nächsten Wörter stellen einen Befehl, eine Aufforderung, einen Auftrag, eine Anweisung, ein Gebot dar. Sie fangen an mit einem „NICHT!“, ein „Verbots-NEIN!“ – so wie die Mutter, die ihr fragendes Kind anguckt, was im Begriff ist, die heiße Herdplatte anzufassen und von der Mutter ein ganz entschiedenes, energisches „NEIN!“ zu hören bekommt, kombiniert mit einem strengen Gesichtsausdruck, so daß das Kind die Botschaft gut versteht.

Und WAS verbietet der Herr seinen Jüngern? Sie sollen auf keinen Fall SICH fürchten. (Das griechische Wort, was mit Furcht, fürchten übersetzt wird, steht Pate für den Begriff der „Phobie“, – Spinnen-Phobie ist vielleicht die bekannteste?)

Ein kleiner Exkurs …

Besondere, auch „theologische“ Beachtung, verdient das „SICH“. Was hat es damit auf sich? Die Aktionsform, die hier benutzt wird, ist weder Aktiv noch Passiv, sie heißt „MEDIUM“. Das ist eine Form, die wir im Deutschen nicht kennen. Als Beispiel diene: „Ich wasche mein Hemd“. Steht das im Medium, müßte übersetzt werden: „Ich wasche MIR mein Hemd“. Was der Herr Seinen Jüngern NICHT sagt, ist: „Fürchtet nichts und niemanden (mehr) ab jetzt“ oder „Habt nie wieder Angst oder Furcht, – das braucht Ihr nicht mehr zu haben!“ Hier ist jetzt zu ergänzen, damit das Thema „Furcht“ und „fürchten“ nicht (zu) einseitig verstanden und wahrgenommen wird:

Matthäus 10, 28 (Revidierte Elberfelder Übersetzung 1985): „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr (! Hervorhebung nicht im Originaltext) den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle.“

Lukas 12, 4+5, selbe Übersetzung: „Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet.“

Wir erkennen, daß JESUS Seinen Jüngern verbietet, SICH zu fürchten, aber ihnen befiehlt, Gott zu fürchten. Daher rührt auch der Begriff „Ehrfurcht“, – eine Furcht, die ehrt. (Meinem besten Freund begegne ich anders in Gestik, Mimik, Verhalten, Wortwahl als einer hochgestellten, berühmten Persönlichkeit wie einem Professor für Neurologie.)

Fürchtet euch nicht …

Und bei diesem Wort dürfen wir jetzt noch ein bißchen tiefer einsteigen: Es gilt als erstes auch für DIESES Wort derselbe Aspekt wie oben für das „ich BIN“ erläutert: „Durativer Aspekt des Präsens: Die Verbalhandlung ist nicht abgeschlossen, sondern andauernd, sich entwickelnd.“ Und an DIESER Stelle kommt auch eine zweite Seite dieses „durativen Aspekts“ zum Tragen:

a) „Linear: Das Andauern wird betont“: Das bedeutet für unser Verständnis dieser Stelle: Den Jüngern Jesu wird nicht mal erlaubt, SICH zu fürchten, dann mal wieder nicht, sondern das Verbot, SICH zu fürchten, gilt durchgängig, ohne Ausnahme, ohne Unterbrechung.

b) „Iterativ: Die Wiederholung wird betont“: Als Beispiel diene Lukas 11, 9, selbe Übersetzung: „Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird auch aufgetan werden.“ Tatsächlich sagen die dort benutzten Verbformen: „Bittet (anhaltend)….. sucht (unermüdlich)…..klopft (immer wieder) an….“ Was heißt das jetzt auf UNSEREN Text bezogen? Wenn die Jünger Jesu von Ihm verboten bekommen, sich zu fürchten, sagt das aus, daß wir „immer wieder“, wenn solch eine Situation über uns hereinbricht oder uns „erwischt“.

Der Liedtext: Richte den Blick nur auf JESUS, schau auf in Sein Antlitz so schön…. erinnert daran, – das soll immer wieder vollzogen werden, immer wieder neu.

Zusammenfassung

Die Jünger leiden RICHTIG Not, es geht ihnen schlecht, sie haben Angst, sind kaputt, müde, abgearbeitet, am Ende mit ihrer Kraft und ihrem Latein, – und fangen bereits an, Gespenster zu sehen, da hören sie diese Worte aus Jesu Mund:

„ICH, ich bin <-----------------------------> NICHT fürchtet EUCH!“

Auf der einen Seite der Realität „IST“ Jesus Christus, der Heiland, der Retter, Gottes Sohn. Sein SEIN ist die Ursache, der Grund, für:

Daß auf der anderen Seite der Realität WIR n i c h t  u n s fürchten sollen.

Vielleicht hilft die Vorstellung einer alten Pendel-Waage: In der einen Waag-Schale ist diese Aussage Jesu: „ICH, ich bin.“ (alles, was Du brauchst, alles, was Dir hilft, alles, was die Not lindert.)
Und weil DIESE Waagschale schwerer wiegt als alles andere auf dieser Welt, deshalb ….

Zum Schluß sei an das alte Lied erinnert:
Weil Jesus lebt, lebe ich auch morgen. Weil Jesus lebt, fürchte ich mich nicht (!)
Jesus, ich weiß, Du kennst die Zukunft: Mein Leben hat nur Wert, weil Du, mein Jesus, lebst.