Gedanken zu 1. Johannes 1, 9

Im Netz fand ich bei www.combib.de folgende Darstellung des 9. Verses des ersten Johannesbriefes:

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erfüllt Gott seine Zusage treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen.“
(Dieses Zitat entstammt bei combib der „Übersetzung Hoffnung für alle“ der Internationalen Bibelgesellschaft Deutschland in der Sonderausgabe „Das lebendige Buch“.)

Im Urtext des Neuen Testaments, auf altgriechisch, steht:

Altgriechischer Urtext von 1. Johannes 1,9
ἐὰν ὁμολογῶμεν τὰς ἁμαρτίας ἡμῶν, πιστός ἐστιν καὶ δίκαιος, ἵνα ἀφῇ ἡμῖν τὰς ἁμαρτίας καὶ καθαρίσῃ ἡμᾶς ἀπὸ πάσης ἀδικίας.

Zum besseren Verständnis dieses Verses zitieren wir hier die „Alte Elberfelder Übersetzung von 1985“:
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“

Was im Vergleich der beiden deutschen Textwiedergaben mit dem Original-Text auffällt:

1. Dieser Vers enthält kein „aber“, – es wird auch inhaltlich ohne einen „Gegensatz“ oder eine Antithese zu dem vorher Geschriebenen argumentiert.

2. Für die Aussage, daß „Gott seine Zusage erfüllt“ fehlt jegliche Grundlage.

3. Der Gedanke, daß das „vergeben und reinigen“ erst in der Zukunft passieren wird („wird…vergeben…und…reinigen“) ist in den im Urtext verwendeten Zeitformen nicht enthalten. Dort wird kein „Futur“ verwendet, sondern „Präsens“, also keine Zukunftszeitformen, sondern Zeitformen der Gegenwart.

Steigen wir noch tiefer ein, um die kostbaren Aussagen dieses Verses tiefer und intensiver zu verstehen:

„Wenn wir unsere Sünden bekennen….“: Das Wort und die Zeitform, die dort benutzt sind, drücken aus: „Wann immer wir….“ Oder auch „Jedesmal, wenn wir….“ Oder auch „Immer wieder, wenn wir…..“

Es ist also kein „einmaliger Vorgang“ beschrieben, auch keine Verbindung zu besonderen Anlässen gegeben. Im Gegenteil: Es zeigt „das normale Christenleben“.

„Wenn wir unsere Sünden bekennen….“ Was meint dieses Wort?

Wenn wir mit Gottes Beurteilung übereinstimmen, und das auch mit unserem Reden zum Ausdruck bringen – dann erfüllen wir den Tatbestand, der hier beschrieben ist.

Alttestamentliches Beispiel: König David in 2. Samuel 12: Nachdem König David Ehebruch begangen hatte und zum Auftragsmörder geworden war, kommt der Prophet Nathan zu ihm, erzählt ihm eine Geschichte, und als König David richtig „in Brast“ geraten war, guckt ihn Nathan an und sagt ihm: „DU bist der Mann!“ SOFORT gibt David sein Vergehen, seine Sünden, zu und erhält prompte Sündenvergebung! Später wird dieser David auch von Gott bezeichnet als „ein Mann nach dem Herzen Gottes.“ Könnte es sein, daß es aufgrund seiner „Bußfertigkeit“ (= Bereitwilligkeit, seine eigene Einschätzung und Wertung zu ändern, wenn klar wird, daß Gottes Beurteilung und Beschreibung anderen Inhaltes ist) zu dieser Beurteilung kam?

Neutestamentliches Beispiel: In Johannes 4 ist das Gespräch zwischen der Samariterin am Brunnen mit JESUS berichtet; nachdem JESUS ihr ihre Sünden gesagt und genannt hatte, antwortet diese Frau, ebenfalls ohne noch lange zu überlegen: „Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist“. Sie gab zu, daß JESU Beschreibung der Wahrheit entsprach, sie gab ihm recht, sie stimmte ihm zu – ohne Einschränkung.

„… ist er treu….“

Die Zeitform, die im Griechischen hier benutzt wird, betont „den linearen Verlauf und das Andauern“. Das bedeutet hier in diesem Zusammenhang: Gott ist IMMER treu, ohne Änderung. Es gibt also keine Unterbrechungen seines Treu-Seins, keine Änderung der Tatsache, daß Gott treu ist. UND es bedeutet auch, daß dieses Treu-Sein Gottes nicht, nein, niemals aufhört. Ohne Ende, immer und ewiglich.

Der Gebrauch des Wortes „wenn…“ am Anfang deutet auch nicht an, daß diese Treue Gottes nur gilt, WENN wir unsere Sünden bekennen. Es wäre dem Text völlig korrekt entsprechend, zu übersetzen: „Wannimmer wir unsere Sünden bekennen: Er ist treu und gerecht….“

Der zweite Aspekt der hier benutzten Zeitform betont die Wiederholung („iterativ“): Gott ist immer wieder und wieder und wieder treu.

„…ist er treu…“

Was sagt das aus? Gott steht zu uns, auch wenn wir „wieder und wieder“ kommen müssen, um unsere Sünden zu bekennen, – seine Geduld ist nicht irgendwann zuende, wenngleich wir das nur schwer fassen können.

Erläuterung 1: In Johannes 1, 16 steht, daß wir „Gnade um Gnade“ empfangen haben aus seiner Fülle. Dort steht „Gnade ANTI Gnade“, – und dieses griechische Wort „anti“ wird übersetzt mit „statt, anstatt, für“. Folgendes Bild soll helfen, es richtig zu verstehen: Wer am Ufer des abfließenden Leda steht, sieht an ein und derselben Stelle des Wassers immer neues Wasser: Das Wasser, was gerade noch dort war, wird ruck-zuck ersetzt durch anderes Wasser. So ist es mit der Gnade Gottes: Wenn wir Gnade in Anspruch genommen haben, ist im nächsten Moment wieder neue Gnade vorhanden, die wir wiederum neu in Anspruch nehmen dürfen.

Ist das nicht „gefährlich“, solche Exegesen zu äußern? Verführt das nicht geradezu, „die Gnade zu mißbrauchen“? In Römer 6,1 wird genau dieser Gedankengang beschrieben und die Frage erörtert und beantwortet. Hier an dieser Stelle nur: „Nicht damit, sondern weil“ Gott uns liebt, bemühen wir uns, nach seinen Vorgaben zu leben.

Erläuterung 2: In Matthäus 18, 22 beantwortet JESUS die Frage des Petrus, wie oft denn Petrus seinem Bruder, der gegen ihn sündigt, vergeben müsse, daß maximal 7 mal nicht ausreiche: „sondern bis siebzigmal sieben.“ Und wenn Gottes Sohn die Meßlatte so hoch legt, sollte Gott selbst darunter bleiben, was seine Kinder angeht?

„…ist er …gerecht, daß er uns die Sünden vergibt…“

Es ist ein Akt der GERECHTIGKEIT GOTTES, daß er uns Sünden vergibt, weil die Sühnung bereits am Kreuz von Golgatha stattgefunden hat. Das ist der Kern der Evangeliums!

In 1. Johannes 2,2 steht, daß JESUS die Sühnung für unsere Sünden ist. Das gilt seit Golgatha und wird bis in alle Ewigkeit seine Sühnekraft nicht verlieren. JESUS hat für unsere Sünden und für unsere Schuld bezahlt. Gottes Barmherzigkeit, Liebe, Erbarmen, Gnade mit seinen Geschöpfen fand seinen Ausdruck darin, daß er JESUS sandte, um den Preis zu bezahlen, der notwendig war.

„…daß er uns die Sünden vergibt…“

Das Wort und die Zeitform, die dort benutzt sind, drücken aus: „Er vergibt….“ und zwar nicht in der fernen Zukunft, sondern DANN, WENN wir bekennen. Oder auch „Jedesmal, wenn wir bekennen, vergibt Gott….“ Oder auch „Immer wieder, wenn wir bekennen, vergibt Gott…..“

Ob das zu einer „Lehre der billigen Gnade“ führt, wurde schon in Römer 6,1+2 beantwortet.

„…und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“

Jetzt dürfen wir ganz persönlich werden: Wenn du das erlebt hast, gereinigt worden zu sein von jeder Art, jedweder Form von Ungerechtigkeit durch den gerechten Gott, – was bist Du dann geworden?

Ist das nicht unfaßbar viel Grund, IHM zu danken, IHN zu preisen, IHN zu ehren?